Donnerstag, 9. April 2015

1. Tag Volterra -2. Tag Die Chianti-Rundfahrt

Wir sind früh wach, geniessen es jedoch noch im Bett liegenbleiben zu dürfen. Das Wetter ist immer noch trübe. Das Frühstücksbüffet ist für Italienische Verhältnisse sehr üppig: es hat Rührei, gekochtes Ei, Würstel, Schinken, Salami und Käse, Bruscchetti, Müesli, Cerealien, Honig und Pfirsich-Marmelade vom Haus, Kuchen, süsses Gebäck und Hörnchen und verschiedene Brote. Der Caffee Latte ist stark und saugut.

Wer denkt, die vornehmlich italienischen Gäste essen nur eine Kleinigkeit, irrt, hier wird voll zugelangt. Auch den Deutschen Professor und seine Geliebte, welche am Abend zuvor den Nebentisch besetzten, sind wieder da... Was die an dem schlacksigen alten Knacker findet, ist mir immer noch ein Rätsel. Sie scheint sich jedoch noch immer in seiner Präsenz zu sonnen.

Wir sind noch immer faul, raffen uns aber auf und laufen ins nahe San Donato. Unterwegs auf der Strasse begegnen wir noch einem Ape, das einsam auf der noch nicht allzubefahrenen Strasse vor sich her tuckert. Sieht witzig aus. San Donato ist winzig, hat aber ein schönes Agriturismo mit kleinem Laden, wo man Öl und Wein degustieren kann. Dafür ist es uns aber zu früh und wir kehren zu Fuss ins Hotel zurück, wor wir ins Auto umsteigen und nach Castel San Gimignano fahren, ein kleines Dorf auf einem Hügel und nicht zu verwechseln mit San Gimignano selber.

Wir fahren vorbei an einem sehr grossen Gefängnis, dass die in ein Tal gebaut haben. Es sieht sehr trist aus. Die Gefangenen haben ihre Kleider an die Fenster zum Trocknen gehängt - sehen aber von der schönen Landschaft um sie herum nichts. Von Hügeln eingekesselt und hinter grossen Mauern und Stacheldraht bleibt nur etwas Himmel und der ist nach wie vor trübe.

Das Castello haben wir jedoch nicht entdeckt, dennoch gibt das kleine Dorf Fototechnisch einiges her. Es liegt auf einem Hügel und in der Ferne entdecken wir die Türme von San Gimignano - dem Manhattan der Toskana, sowie dem Hochsicherheitsgefängnis, das übrigens nur ca. 5 Autominuten von unserem Hotel entfernt liegt... nicht grade ein erbaulicher Gedanke.

Dann fahren wir Richtung Volterra und sehen es schon in der Ferne, merken aber, das wir es nicht mehr zu unserem Osterlunch zurückschaffen, welches wir Tags zuvor in sehr hungrigem Zustand gebucht hatten, also kehren wir um.

Der Lunch war wieder sehr üppig. Picci Pasta mit Ragu, Ein Bohneneintopf (Ribolita), und Penne mit Zucchetti, super leckere Bruscchetti Auflagen ( Tomaten, Schwarzkohlgemüse, süsse Zuccheti, etc. ), Verschiedenen Pecchorino Käse mit hausgemachten Marmelati aus Feigen, Zwiebeln und anderem, Wildschweinsalami im Fenchelmantel, Proschiuto, etc., Fruchtsalat, hausgemachte Bischotti und Vin Santo.....bei dem Gedanken daran alleine Schwebe ich im Himmel. Dazu geniessen wir ein Glaserl finen Chianti. Nach dem Vino Santo geht es uns so richtig gut. Michael kannte Vino Santo noch nicht und ist gleich begeistert.

Überfüllt und wohlig fahren wir nun nach Volterra. Es windet stark, ist immer noch bedeckt und sehr kühl. Die Italiener sind alle dick in ihre wattierten Jäcken, Jäckchen und Mäntel eingepackt mit Mützen und Schal... Aber es herrscht reges Treiben. Auch ich schnall den Schal etwas enger um meinen Hals und komme mir mit meiner doch schon sehr verbrauchten alten Wachsjacke, neben den stylischen Wattenjacken doch etwas platziert vor - jedoch, eigentlich ist es mir egal, ich hab Ferien und es kennt mich ja keiner.

Volterra ist berühmt für seine Alabasterschnitzeien und Produkte. Vieles davon Kitsch, aber einiges, unbezahlbares (Vasen und Leuchter), auch sehr schön. Wir besuchen den Palazzo dei Priori, den ältesten Palazzo dieser Art in der Toskana, und stiegen viele steile Treppen hinauf. Meine armen Knie. Im 1. Stock hat es eine Kunstausstellung mit doch sehr spannenden, modernen Kollagen. Micheal ist ganz vertieft und holt sich auch einige Inspirationen für seine eigenen Werke. Allen Werken gemeinsam ist das Motive des Kreuzes in der einen oder anderen Form. Mich fasziniert vor allem ein riesiges werk, dass voller Knöpfe, alten Kameras, Reisverschlüssen, kleinen Plastikflaschen, Pippetten, leeren Lippenstifthaltern und vielem mehr ist.

Bei der Turmbesteigung allerdings steike ich... Je älter ich werde, desto grösser wird meine Höhenangst. Michael mag auch nicht anstehen. es dürfen jeweils nur 5 Personen alle halbe Stunde hinauf. Dennoch soll man von der obersten Turmplattform an schönen Tagen fast 50km weit sehen können... heute ist es jedoch windig und grau mit Tendenz zum Nieseln und Geduld nicht unsere Stärke.

Der Wind pfeift ganz schön durch die Gassen. Wir erklimmen den Hügel auf dem ein Park angelegt ist, mit herrlichem Blick ins Tal. Es gibt da auch irgendwelche etruskischen Ausgrabungen, die wir aber links liegen lassen. Am anderen Ende des Parks thront eine alte Burg, welche jedoch vom Militär besetzt ist und daher Sperrzohne. Wir kehren um und blödeln noch mit zwei Badewannenähnlichen Trögen herum. Beim Rückweg durch die vom Wind pfeifenden Gassen entdecken wir den Palazzo Viti.

Der Gregorio Viti war ein Tausendsassa. Sohn eines Alabasterschneiders und Händlers belieh er im 19. Jahrhundert seinen Vater und brachte Alabaster in die USA. Doch er konnte die Ware nicht richtig an den Mann bringen. Zurück in der Heimat wurde er von seinem Vater fast verstossen - er sei eine Schande, was ihn aber nicht davon abhielt nochmals in die USA und nach Südamerika zu reisen. Er kehrte mit Gewinn zurück, doch hielt es ihn nicht lange und er reiste nach Asien und Nepal, wo er den Titel Wesir von Nepal erhielt.

Viti kehrte mit vielen Schätzen, Möbeln, Vasen, Fächern, kostbarem chinesischem Geschirr und Gewändern, Boldern zurück und kaufte diesen Palazzo, der jetzt ein Museum ist. Beeindruckend, diese Lebensgeschichte - würde sich für einen Roman oder gar einen Film eignen - meine Fantasie spielt jedenfalls wild.

Über Hügelketten geht es zurück, vorbei an wahrscheinlich erloschenen Vulkankegeln. Im Agriturismo angelangt mache ich einen kleinen Rundgang durch den Park und kann erst gar nicht verstehen, warum alles eingezäunt ist, doch langsam regt sich der Hunger und wenn ich an Wildschwein denke, dann bin ich plötzlich froh um die Zäune rundum.

Michael sitzt derweil in der Lobby und surft, der Suchtmocken! Heute mögen wir nicht mehr ganz so viel schlemmen, aber trotzdem ist es zuviel. Wir begnügen uns mit einer kleinen Flasche Wein und gehen bald todmüde ins Bett. Hier schläft es sich gut, es ist sehr ruhig.

2. Tag Die Chianti Rundfahrt

Heute fahren wir früh los. Die erste Station ist Castellina in Chianti. Wie fast alle Städtchen hier, liegt Castellina in Chiant auf einem Hügelrücken und bietet einen spektakulären Blick in die Tiefebene. Das Städtchen war schnell erkundet, die Kirche besucht, meinem Vater, der ja Eber in seinem Namen (Eberhard) hat, kaufen wir T-Shirts mit Wildschweinen drauf, denn er mag Eber. Diese T-shirts gibt es überall und auch 2 Kleber für unsere Autos mit Achtung Wildschwein packe ich noch ein. In einem kleinen herzigen Geschäft kauf ich noch Picci, die es in der Schweiz nicht einfach zu kaufen gibt. Wir fahren weiter nach Panzano in Chianti. Panzano gibt nicht viel her, wir erklimmen den Weg hinauf zur Kirch, dort oben jedoch kann man wieder herrlich hinunter schauen aufs Tal.

In Greve in Chianti, das erstaunlicherweise mal nicht auf einem Berg thront, ist ein Antiquitätenmarkt zu Gange. Es herrscht viel Trubel. Wir lassen jedoch Greve links liegen und fahren weiter... Mir knurrt der Magen und wenn ich Hunger hab werde ich unausstehlich... ausserdem muss ich auf die Toilette.

Wir entdecken ein Restaurant bei einer riesigen hässlichen Weinkellerei. Es ist jedoch ausgebucht, dennoch sind sie superfreundlich und lassen uns ihre sauberen Toiletten benutzen.

Dass Chiantigebiet ist sehr bergig und oft bewaldet, dann wieder plötzlich Weinhänge und Olivenhaine. Manchmal hat man nicht das Gefühl in der Toskana zu sein, es sieht eher nach Ticino aus. Die Wälder sind wild und oft fast urwaldartig, dann wieder angebaut, dann noch ohne Blätter und knorrig, ja fast unheimlich, voller gelber Flechten. Da ich grade im "Game of Thrones" Fieber bin, sehe ich fast mittelalterliche Gestalten durch diese knorrig, gelben Bäume irren. Ja wieder, meine Fantasie...

Gut hab ich einen Apfel mit, den ich mit Michael teile. Wir kommen in Montespertoli an. Die Stadt gibt nicht viel her, es ist jedoch auch Mittagszeit und alles hat zu. Wir entdecken ein Restaurant, das jedoch auch wieder ausgebucht ist. Alle Italiener scheinen am Ostermontag mit ihren Familien auswärts essen zu gehen. Weiter geht es nach Castelfiorentina, hübsch und überall hat es Enotecas, die mit Touristen überfüllt sind, wir entdecken ein Restaurant, alles ist herrlich gedeckt mit frischem Gemüse-crudité....privater Anlass, grrrrrrr. Es ist zum Verrückt werden und meine Laune sinkt.

Wir fahren nach Certaldo Alto, die Backsteinstadt. Herrlich gelegen, nur per Cabelcar oder über ein winziges Strässchen erreichbar, das aber schwer zu entdecken ist, wenn man nicht weiss wo suchen. Hier waren wir jedoch schon einmal. Sogar den einen Hund auf der Terrasse an der Strasse, ist noch da, den ich das letzte mal entdeckt habe und er hechelt herunter. Ich weiss hier gibt es ein Restaurant, dass herrlich kocht und eine Entoteca, in der es deine Bruscchette gibt. Doch nun ist es bereits 16.00 Uhr, die Enoteca, das Restaurant und die Osteria voll.

Wir verzichten, dank Apfel geht das auch. Wir besuchen einen alten Vikarpalazzo und mein rechtes Knie schmerzt von den vielen Bergbesteigungen, den Treppen und den holprigen Strassen. Dieses Städtchen hat jedoch was ganz eigenes. Während wir es verlassen, kommen uns bereits viele Touristen und Einheimische entgegen, den Certaldo Alto ist bekannt für gutes Essen.

Wir fahren jedoch zurück in unser Hotel. Dazu müssen wir wieder an San Gimignano vorbei... Verkehrsstau! Es dauert ewig! Doch endlich ist es geschafft und gleich geht es in die Bar. 2 Gläser Rotwein und etwas Nüsse helfen uns erstmal noch bis zum Abendessen auszuharren.

Das Wifi ist langsam hier und strapaziert meine Geduld, aber dafür hab ich Zeit die andern Gäste zu studieren. Es hat viele Italienische Päärchen und ganze Familienclans, die hier wohl ihre Ostern feiern. Ich kann es verstehen, das Hotel ist sauber, gemütlich, das Personal sehr freundlich, herzlich und zuvorkommend und das Essen hervorragend.

Das Hotel hatten wir über Booking.com entdeckt und haben so auch ein ganz schönes Schnäppchen gemacht. Die Preise, welche im Zimmer angeschrieben sind, sind doch eher im höheren Segment angesiedelt. Mir hätte jedoch auch das Agriturismo im Nachbardorf San Donato gefallen - das war jedoch ausgebucht. In der Hotelhalle zu sitzen ist jedoch ganz spannend und es gibt viel zu entdecken. Die organisieren hier eingiges für ihre Gäste. Es gibt einen Shuttelbus nach San Gimignano, Weintasting touren, organisierte Wandertouren, man kann auch auf einen benachbarten Hof um dort auszureiten oder reitstunden zu nehmen und und und. In der Halle verkaufen sie auch Raumdüfte und es dufted auch dezent...Gottseidank, nichts ist schlimmer als ein penetranter zu gut gemeinter Duft; sei dies Parfum oder Raumduft...

Dan endlich können wir Essen gehen. Wir haben wieder einen anderen Tisch bekommen. Neben uns hat sich eine alte Italienische Dame niedergelassen, die nur ein Brodo (eine klare Suppe haben will). Anscheinend will sie früh zu Bett und ihre Familie will erst später essen. Sie ist jedoch recht zufrieden, obwohl ich es schon etwas traurig finde, dass sie da ganz alleine sitzen muss.

Wir bekommen eine herrliche Bruschetti Auswahl als Antipasto - verzichten auf Pasta und ich geniesse ein absolut köstliches Cognilio alla Vernaccia in crema di Latte (ein Kaninchen in Vernaccia-Weisswein und Rahmsauce), dazu nochmals die feinen kleinen weissen Bohnen. Als Dessert teilen wir uns nochmals Biscotti mit Vin Santo.

Morgen heisst es Umzug und eigentlich sollte ich noch etwas packen - aber ih bin zu vollgefressen und mag nicht mehr. Wir plumpsen nur noch ins Bett und schlafen gleich ein.


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