Mittwoch, 6. Mai 2015

3. Tag San Giminiano

Wir verlassen heute das Hotel Casolare le Terre Rosse, füllen unser Auto wieder mit all unseren vielen Habseligkeiten an und wir haben nicht wenige. Michael hat sogar sein Schlafkissen mitgenommen. Selbst der Prosecco, den wir eigens in der Kühltruhe mitgebracht haben, kommt wieder mit den 2 Champagnergläsern zurück ins Auto. Wir kamen irgendwie nicht dazu ihn zu trinken.

Um 9.00 Uhr verlassen wir das Hotel schliesslich und fahren die Kurze Strecke nach San Gimignano - oder Jimmy Jango - wie wir den Ort nun liebevoll nennen. Auf dem Weg passieren wir einen Wohnmobil-Standplatz und fahren auch hinter einigen her. Warum die immer im Konvoi fahren, ist mir ein Rätsel. Gehören die wirklich zusammen? Wir bekommen so früh am Tag tatsächlich oben am Dorfeingan einen Parkplatz. Gestern sahen wir noch wie die Touristen und Stadtbesucher weitdraussen vor der Stadt parken mussten und dann den Berg hinaufkraxeln mussten, um die Stadt zu erreichen. Jedenfalls kommen wir genau richtig. Die Stadt erwacht, die Geschäfte öffnen grade und noch gibt es keine Herscharen von Bustouristen.

Bereits etwa 200m hinter dem Stadttor bleibe ich betört bei einem Ledergeschäft stehen und schau mir die schönen Ledertaschen an. Ich bin entzückt. Auch die Preise sind für diese gute Qualität wirklich in ordnung. Michael schaut sich Gürtel an und der Besitzer berät uns gut und fair. Eine Koreanerin hechtet herein fragt auf Koreanisch nach dem Preis, der Versteht nicht, sie schreibt einige Dollarzeichen auf einen kleinen Block - er schreibt 220EURO und sie- 40 - er lacht und schickt sie weg. Mir macht er daraufhin einen 20%Rabatt weil ich seine 1. Käuferin bin heute und auch der Michael ist mit seinem Gürtel glücklich. Er packt alles in eine schöne Übertasche, berät uns bezüglich Tax-Refund und begleitet uns wieder hinaus. Draussen offeriert er ein Foto von uns zwei zu machen und zwingt uns uns für das Foto zu küssen..... ah le Svizzeri, che romantici....! Wir gehen lachend weiter.

Wir kommen jedoch in einen Kaufrausch, den bei der Tasche bleibt es nicht. Doch zuvor geniessen wir die Stadt selber, bezwiehungsweise solange bis ich von hinten mehrmals von einer Asiatischen Bustourschar angerempelt und fast an eine Hauswand gedrückt werde. Schon fast macht mich das so agressiv, dass ich zurückschupsen möchte. Die haben einfach keinen Anstand. Hetzen zudem durch die schönen Städte in einem Tempo, das unmöglich Urlaub sein kann. Auch beim Fotografieren, stellt sich wieder so einer einfach frech vor mich und zückt sein eigenes Monsterteil von Aparat. Dem mach ich jedoch einen Strich durch die Rechnung, denn ich lauf einfach um ihn rum und stell mich wieder vor ihn hin. Lächeln, Karin, lächeln, hat alles keinen Sinn.... grrrrrrrrrrrrrrr

Wir gehen an meinen von einer lieben Freundin empfohlenen Geheimspot, ganz ganz oben in Jimmy Jango klettern einen alten Verfallenen Turm hoch und geniessen die kurze Ruhe und das Panorama, machen einige Selfies - pardon Relfies heissen die Paarfotos (Relationship-Selfies) ja jetzt - und klettern just wieder runter, als schon mein "Geheimtipp" von einer weiteren Asiatischen Tourgruppe erstürmt wird, die da oben so eingequetscht rumstehen, dass alle Europäer fluchtartig den Turm wieder verlassen, die nach uns gekommen sind...

Wir schlendern weiter gemütlich durch die Gassen, welche nach dem Hauptplatz sind, da gehen auch die Tourgroupen nicht mehr hin, aber nun füllen sich auch diese mit Europaischen Touristen und es ist nicht mehr ganz so gemütlich. Wir kommen bei einem Silberschmied vorbei, der in seinem Schaufenster einen wirklich schönen Herrenring hat. Wir gehen rein und fragen nach dem Preis: 75 Euro - wirklich ok. Michael probiert, der Ring ist zu gross - ohne Aufpreis wird er jedoch von Hand enger gemacht. Erst wird ein Stück rausgesägt, dann gelötet, gehämmert, poliert, nochmals poliert, probiert nochmals gehämmert und poliert.... und schliesslich verlässt Michael glücklich mit einem neuen Ring den Laden. Verkehrte Welt, ansonsten bin ich die kaufsüchtige, aber Michael ist hier wohl auf den Geschmackgekommen. Ich find es herrlich.

San Gimignano hat schöne Kirchen, Museen und natürlich sind die Türme beeindrucken. Wir lassen das diesmal jedoch fast alles aus, denn wir haben das vor ein paar Jahren schon mal gesehen und eine weitere Begegnung mit einer Asiatischen Gruppe verkraft ich nicht.

Auf dem Rückweg, kurz vor dem Stadttor, geh ich in eines dieser "hier ist alles Wildschwein" Shops, lasse uns ein frisches Sandwich mit frischem Peccorino und Wildschweinrohschinken machen, kaufe Wildschweinragout und Toskanische Wildschweinleberpaste für leckere Bruschetti und wir kehren zu unserem Auto zurück, dass nun nicht mehr so einsam auf dem Parkplatz steht sondern von anderen Autos fast eingekesselt ist. Wir essen erst gemütlich unser Sandwich bevor es weiter in den Süden geht.

Wir fahren erst zurück zur Autobahn, dann gen Süden und schliesslich über viele Hügel richtung Montepulciano. Unterhalb von Montepulciano im Tal erreichen wir nun unser Agritourismo - Villa di Nottola. Erst bin ich über die Lage etwas entäuscht, denn der Gebäudekomplex liegt zwar etwas oberhalb, aber dennoch auf den 1. Blick ziehmlich nah der Strasse. Fährt man jedoch erst die Zypressengesäumte Strasse hinauf, vorbei an Weinreben und Olivenbäumen, ist man gleich zu Hause. Alte Steinmühlen, welche wohl mal Oliven gemahlen haben, stehen dekorativ auf dem Parkplatz des Restaurants.

Wir gehen erst ins Restaurant, werden aber informiert, dass es für das eigentliche Agriturismo ein separates Anmeldebüro gibt. Dieses ist jedoch um die Mittagszeit (da waren wir dann in etwas da) natürlich zu, dennoch der Wirt des Restaurants, klingelt an der Tür der Agritursimo-Wirte-Wohnung und nach gefühlten 10 Min. kommt tatsächlich eine sehr elegante Dame und begrüsst uns herzlich. Sie entschuldigt sich für ihr schlechtes Deutsch, was auch wirklich nur rudimentär ist und wir einigen uns auf English. Sie mischt auch diese mit etwas Italienisch. Da ich aber Italienisch eigentlich recht gut verstehe, kommunizieren wir eigentlich ganz gut.

Auch sie führt uns herum, zeigt uns wo es Frühstück gibt, erklärt, dass das Restaurant in der Tat getrennt geführt wird, diese jedoch den Wein, des Weingutes verkaufen und das lokale Olivenöl benutzen, und führt uns schliesslich zu unserem Zimmer über dem Restaurant. Dieses ist sehr gross und in Wischtechnik in Orange gestrichen, ein schwarzes Eisenbett steht da, Bilder von Städten der Toskana hängen an der Wand. Das Bad ist gigantisch; man könnte darin tanzen. 2 Waschtröge, ein Bidet und eine grosse Dusch hat es darin und viel Ablagefläche - ich liebe das.

Dadurch, dass wir über dem Restaurant sind, haben wir meist auch gratis Wifi, manchmal etwas schwach, aber besser als in den Gemeinschaftsraum, des Agritourismus schräg gegenüber laufen zu müssen. Wir packen kurz aus und machen uns auf ....