Mittwoch, 6. Mai 2015

3. Tag San Giminiano

Wir verlassen heute das Hotel Casolare le Terre Rosse, füllen unser Auto wieder mit all unseren vielen Habseligkeiten an und wir haben nicht wenige. Michael hat sogar sein Schlafkissen mitgenommen. Selbst der Prosecco, den wir eigens in der Kühltruhe mitgebracht haben, kommt wieder mit den 2 Champagnergläsern zurück ins Auto. Wir kamen irgendwie nicht dazu ihn zu trinken.

Um 9.00 Uhr verlassen wir das Hotel schliesslich und fahren die Kurze Strecke nach San Gimignano - oder Jimmy Jango - wie wir den Ort nun liebevoll nennen. Auf dem Weg passieren wir einen Wohnmobil-Standplatz und fahren auch hinter einigen her. Warum die immer im Konvoi fahren, ist mir ein Rätsel. Gehören die wirklich zusammen? Wir bekommen so früh am Tag tatsächlich oben am Dorfeingan einen Parkplatz. Gestern sahen wir noch wie die Touristen und Stadtbesucher weitdraussen vor der Stadt parken mussten und dann den Berg hinaufkraxeln mussten, um die Stadt zu erreichen. Jedenfalls kommen wir genau richtig. Die Stadt erwacht, die Geschäfte öffnen grade und noch gibt es keine Herscharen von Bustouristen.

Bereits etwa 200m hinter dem Stadttor bleibe ich betört bei einem Ledergeschäft stehen und schau mir die schönen Ledertaschen an. Ich bin entzückt. Auch die Preise sind für diese gute Qualität wirklich in ordnung. Michael schaut sich Gürtel an und der Besitzer berät uns gut und fair. Eine Koreanerin hechtet herein fragt auf Koreanisch nach dem Preis, der Versteht nicht, sie schreibt einige Dollarzeichen auf einen kleinen Block - er schreibt 220EURO und sie- 40 - er lacht und schickt sie weg. Mir macht er daraufhin einen 20%Rabatt weil ich seine 1. Käuferin bin heute und auch der Michael ist mit seinem Gürtel glücklich. Er packt alles in eine schöne Übertasche, berät uns bezüglich Tax-Refund und begleitet uns wieder hinaus. Draussen offeriert er ein Foto von uns zwei zu machen und zwingt uns uns für das Foto zu küssen..... ah le Svizzeri, che romantici....! Wir gehen lachend weiter.

Wir kommen jedoch in einen Kaufrausch, den bei der Tasche bleibt es nicht. Doch zuvor geniessen wir die Stadt selber, bezwiehungsweise solange bis ich von hinten mehrmals von einer Asiatischen Bustourschar angerempelt und fast an eine Hauswand gedrückt werde. Schon fast macht mich das so agressiv, dass ich zurückschupsen möchte. Die haben einfach keinen Anstand. Hetzen zudem durch die schönen Städte in einem Tempo, das unmöglich Urlaub sein kann. Auch beim Fotografieren, stellt sich wieder so einer einfach frech vor mich und zückt sein eigenes Monsterteil von Aparat. Dem mach ich jedoch einen Strich durch die Rechnung, denn ich lauf einfach um ihn rum und stell mich wieder vor ihn hin. Lächeln, Karin, lächeln, hat alles keinen Sinn.... grrrrrrrrrrrrrrr

Wir gehen an meinen von einer lieben Freundin empfohlenen Geheimspot, ganz ganz oben in Jimmy Jango klettern einen alten Verfallenen Turm hoch und geniessen die kurze Ruhe und das Panorama, machen einige Selfies - pardon Relfies heissen die Paarfotos (Relationship-Selfies) ja jetzt - und klettern just wieder runter, als schon mein "Geheimtipp" von einer weiteren Asiatischen Tourgruppe erstürmt wird, die da oben so eingequetscht rumstehen, dass alle Europäer fluchtartig den Turm wieder verlassen, die nach uns gekommen sind...

Wir schlendern weiter gemütlich durch die Gassen, welche nach dem Hauptplatz sind, da gehen auch die Tourgroupen nicht mehr hin, aber nun füllen sich auch diese mit Europaischen Touristen und es ist nicht mehr ganz so gemütlich. Wir kommen bei einem Silberschmied vorbei, der in seinem Schaufenster einen wirklich schönen Herrenring hat. Wir gehen rein und fragen nach dem Preis: 75 Euro - wirklich ok. Michael probiert, der Ring ist zu gross - ohne Aufpreis wird er jedoch von Hand enger gemacht. Erst wird ein Stück rausgesägt, dann gelötet, gehämmert, poliert, nochmals poliert, probiert nochmals gehämmert und poliert.... und schliesslich verlässt Michael glücklich mit einem neuen Ring den Laden. Verkehrte Welt, ansonsten bin ich die kaufsüchtige, aber Michael ist hier wohl auf den Geschmackgekommen. Ich find es herrlich.

San Gimignano hat schöne Kirchen, Museen und natürlich sind die Türme beeindrucken. Wir lassen das diesmal jedoch fast alles aus, denn wir haben das vor ein paar Jahren schon mal gesehen und eine weitere Begegnung mit einer Asiatischen Gruppe verkraft ich nicht.

Auf dem Rückweg, kurz vor dem Stadttor, geh ich in eines dieser "hier ist alles Wildschwein" Shops, lasse uns ein frisches Sandwich mit frischem Peccorino und Wildschweinrohschinken machen, kaufe Wildschweinragout und Toskanische Wildschweinleberpaste für leckere Bruschetti und wir kehren zu unserem Auto zurück, dass nun nicht mehr so einsam auf dem Parkplatz steht sondern von anderen Autos fast eingekesselt ist. Wir essen erst gemütlich unser Sandwich bevor es weiter in den Süden geht.

Wir fahren erst zurück zur Autobahn, dann gen Süden und schliesslich über viele Hügel richtung Montepulciano. Unterhalb von Montepulciano im Tal erreichen wir nun unser Agritourismo - Villa di Nottola. Erst bin ich über die Lage etwas entäuscht, denn der Gebäudekomplex liegt zwar etwas oberhalb, aber dennoch auf den 1. Blick ziehmlich nah der Strasse. Fährt man jedoch erst die Zypressengesäumte Strasse hinauf, vorbei an Weinreben und Olivenbäumen, ist man gleich zu Hause. Alte Steinmühlen, welche wohl mal Oliven gemahlen haben, stehen dekorativ auf dem Parkplatz des Restaurants.

Wir gehen erst ins Restaurant, werden aber informiert, dass es für das eigentliche Agriturismo ein separates Anmeldebüro gibt. Dieses ist jedoch um die Mittagszeit (da waren wir dann in etwas da) natürlich zu, dennoch der Wirt des Restaurants, klingelt an der Tür der Agritursimo-Wirte-Wohnung und nach gefühlten 10 Min. kommt tatsächlich eine sehr elegante Dame und begrüsst uns herzlich. Sie entschuldigt sich für ihr schlechtes Deutsch, was auch wirklich nur rudimentär ist und wir einigen uns auf English. Sie mischt auch diese mit etwas Italienisch. Da ich aber Italienisch eigentlich recht gut verstehe, kommunizieren wir eigentlich ganz gut.

Auch sie führt uns herum, zeigt uns wo es Frühstück gibt, erklärt, dass das Restaurant in der Tat getrennt geführt wird, diese jedoch den Wein, des Weingutes verkaufen und das lokale Olivenöl benutzen, und führt uns schliesslich zu unserem Zimmer über dem Restaurant. Dieses ist sehr gross und in Wischtechnik in Orange gestrichen, ein schwarzes Eisenbett steht da, Bilder von Städten der Toskana hängen an der Wand. Das Bad ist gigantisch; man könnte darin tanzen. 2 Waschtröge, ein Bidet und eine grosse Dusch hat es darin und viel Ablagefläche - ich liebe das.

Dadurch, dass wir über dem Restaurant sind, haben wir meist auch gratis Wifi, manchmal etwas schwach, aber besser als in den Gemeinschaftsraum, des Agritourismus schräg gegenüber laufen zu müssen. Wir packen kurz aus und machen uns auf ....

Donnerstag, 9. April 2015

1. Tag Volterra -2. Tag Die Chianti-Rundfahrt

Wir sind früh wach, geniessen es jedoch noch im Bett liegenbleiben zu dürfen. Das Wetter ist immer noch trübe. Das Frühstücksbüffet ist für Italienische Verhältnisse sehr üppig: es hat Rührei, gekochtes Ei, Würstel, Schinken, Salami und Käse, Bruscchetti, Müesli, Cerealien, Honig und Pfirsich-Marmelade vom Haus, Kuchen, süsses Gebäck und Hörnchen und verschiedene Brote. Der Caffee Latte ist stark und saugut.

Wer denkt, die vornehmlich italienischen Gäste essen nur eine Kleinigkeit, irrt, hier wird voll zugelangt. Auch den Deutschen Professor und seine Geliebte, welche am Abend zuvor den Nebentisch besetzten, sind wieder da... Was die an dem schlacksigen alten Knacker findet, ist mir immer noch ein Rätsel. Sie scheint sich jedoch noch immer in seiner Präsenz zu sonnen.

Wir sind noch immer faul, raffen uns aber auf und laufen ins nahe San Donato. Unterwegs auf der Strasse begegnen wir noch einem Ape, das einsam auf der noch nicht allzubefahrenen Strasse vor sich her tuckert. Sieht witzig aus. San Donato ist winzig, hat aber ein schönes Agriturismo mit kleinem Laden, wo man Öl und Wein degustieren kann. Dafür ist es uns aber zu früh und wir kehren zu Fuss ins Hotel zurück, wor wir ins Auto umsteigen und nach Castel San Gimignano fahren, ein kleines Dorf auf einem Hügel und nicht zu verwechseln mit San Gimignano selber.

Wir fahren vorbei an einem sehr grossen Gefängnis, dass die in ein Tal gebaut haben. Es sieht sehr trist aus. Die Gefangenen haben ihre Kleider an die Fenster zum Trocknen gehängt - sehen aber von der schönen Landschaft um sie herum nichts. Von Hügeln eingekesselt und hinter grossen Mauern und Stacheldraht bleibt nur etwas Himmel und der ist nach wie vor trübe.

Das Castello haben wir jedoch nicht entdeckt, dennoch gibt das kleine Dorf Fototechnisch einiges her. Es liegt auf einem Hügel und in der Ferne entdecken wir die Türme von San Gimignano - dem Manhattan der Toskana, sowie dem Hochsicherheitsgefängnis, das übrigens nur ca. 5 Autominuten von unserem Hotel entfernt liegt... nicht grade ein erbaulicher Gedanke.

Dann fahren wir Richtung Volterra und sehen es schon in der Ferne, merken aber, das wir es nicht mehr zu unserem Osterlunch zurückschaffen, welches wir Tags zuvor in sehr hungrigem Zustand gebucht hatten, also kehren wir um.

Der Lunch war wieder sehr üppig. Picci Pasta mit Ragu, Ein Bohneneintopf (Ribolita), und Penne mit Zucchetti, super leckere Bruscchetti Auflagen ( Tomaten, Schwarzkohlgemüse, süsse Zuccheti, etc. ), Verschiedenen Pecchorino Käse mit hausgemachten Marmelati aus Feigen, Zwiebeln und anderem, Wildschweinsalami im Fenchelmantel, Proschiuto, etc., Fruchtsalat, hausgemachte Bischotti und Vin Santo.....bei dem Gedanken daran alleine Schwebe ich im Himmel. Dazu geniessen wir ein Glaserl finen Chianti. Nach dem Vino Santo geht es uns so richtig gut. Michael kannte Vino Santo noch nicht und ist gleich begeistert.

Überfüllt und wohlig fahren wir nun nach Volterra. Es windet stark, ist immer noch bedeckt und sehr kühl. Die Italiener sind alle dick in ihre wattierten Jäcken, Jäckchen und Mäntel eingepackt mit Mützen und Schal... Aber es herrscht reges Treiben. Auch ich schnall den Schal etwas enger um meinen Hals und komme mir mit meiner doch schon sehr verbrauchten alten Wachsjacke, neben den stylischen Wattenjacken doch etwas platziert vor - jedoch, eigentlich ist es mir egal, ich hab Ferien und es kennt mich ja keiner.

Volterra ist berühmt für seine Alabasterschnitzeien und Produkte. Vieles davon Kitsch, aber einiges, unbezahlbares (Vasen und Leuchter), auch sehr schön. Wir besuchen den Palazzo dei Priori, den ältesten Palazzo dieser Art in der Toskana, und stiegen viele steile Treppen hinauf. Meine armen Knie. Im 1. Stock hat es eine Kunstausstellung mit doch sehr spannenden, modernen Kollagen. Micheal ist ganz vertieft und holt sich auch einige Inspirationen für seine eigenen Werke. Allen Werken gemeinsam ist das Motive des Kreuzes in der einen oder anderen Form. Mich fasziniert vor allem ein riesiges werk, dass voller Knöpfe, alten Kameras, Reisverschlüssen, kleinen Plastikflaschen, Pippetten, leeren Lippenstifthaltern und vielem mehr ist.

Bei der Turmbesteigung allerdings steike ich... Je älter ich werde, desto grösser wird meine Höhenangst. Michael mag auch nicht anstehen. es dürfen jeweils nur 5 Personen alle halbe Stunde hinauf. Dennoch soll man von der obersten Turmplattform an schönen Tagen fast 50km weit sehen können... heute ist es jedoch windig und grau mit Tendenz zum Nieseln und Geduld nicht unsere Stärke.

Der Wind pfeift ganz schön durch die Gassen. Wir erklimmen den Hügel auf dem ein Park angelegt ist, mit herrlichem Blick ins Tal. Es gibt da auch irgendwelche etruskischen Ausgrabungen, die wir aber links liegen lassen. Am anderen Ende des Parks thront eine alte Burg, welche jedoch vom Militär besetzt ist und daher Sperrzohne. Wir kehren um und blödeln noch mit zwei Badewannenähnlichen Trögen herum. Beim Rückweg durch die vom Wind pfeifenden Gassen entdecken wir den Palazzo Viti.

Der Gregorio Viti war ein Tausendsassa. Sohn eines Alabasterschneiders und Händlers belieh er im 19. Jahrhundert seinen Vater und brachte Alabaster in die USA. Doch er konnte die Ware nicht richtig an den Mann bringen. Zurück in der Heimat wurde er von seinem Vater fast verstossen - er sei eine Schande, was ihn aber nicht davon abhielt nochmals in die USA und nach Südamerika zu reisen. Er kehrte mit Gewinn zurück, doch hielt es ihn nicht lange und er reiste nach Asien und Nepal, wo er den Titel Wesir von Nepal erhielt.

Viti kehrte mit vielen Schätzen, Möbeln, Vasen, Fächern, kostbarem chinesischem Geschirr und Gewändern, Boldern zurück und kaufte diesen Palazzo, der jetzt ein Museum ist. Beeindruckend, diese Lebensgeschichte - würde sich für einen Roman oder gar einen Film eignen - meine Fantasie spielt jedenfalls wild.

Über Hügelketten geht es zurück, vorbei an wahrscheinlich erloschenen Vulkankegeln. Im Agriturismo angelangt mache ich einen kleinen Rundgang durch den Park und kann erst gar nicht verstehen, warum alles eingezäunt ist, doch langsam regt sich der Hunger und wenn ich an Wildschwein denke, dann bin ich plötzlich froh um die Zäune rundum.

Michael sitzt derweil in der Lobby und surft, der Suchtmocken! Heute mögen wir nicht mehr ganz so viel schlemmen, aber trotzdem ist es zuviel. Wir begnügen uns mit einer kleinen Flasche Wein und gehen bald todmüde ins Bett. Hier schläft es sich gut, es ist sehr ruhig.

2. Tag Die Chianti Rundfahrt

Heute fahren wir früh los. Die erste Station ist Castellina in Chianti. Wie fast alle Städtchen hier, liegt Castellina in Chiant auf einem Hügelrücken und bietet einen spektakulären Blick in die Tiefebene. Das Städtchen war schnell erkundet, die Kirche besucht, meinem Vater, der ja Eber in seinem Namen (Eberhard) hat, kaufen wir T-Shirts mit Wildschweinen drauf, denn er mag Eber. Diese T-shirts gibt es überall und auch 2 Kleber für unsere Autos mit Achtung Wildschwein packe ich noch ein. In einem kleinen herzigen Geschäft kauf ich noch Picci, die es in der Schweiz nicht einfach zu kaufen gibt. Wir fahren weiter nach Panzano in Chianti. Panzano gibt nicht viel her, wir erklimmen den Weg hinauf zur Kirch, dort oben jedoch kann man wieder herrlich hinunter schauen aufs Tal.

In Greve in Chianti, das erstaunlicherweise mal nicht auf einem Berg thront, ist ein Antiquitätenmarkt zu Gange. Es herrscht viel Trubel. Wir lassen jedoch Greve links liegen und fahren weiter... Mir knurrt der Magen und wenn ich Hunger hab werde ich unausstehlich... ausserdem muss ich auf die Toilette.

Wir entdecken ein Restaurant bei einer riesigen hässlichen Weinkellerei. Es ist jedoch ausgebucht, dennoch sind sie superfreundlich und lassen uns ihre sauberen Toiletten benutzen.

Dass Chiantigebiet ist sehr bergig und oft bewaldet, dann wieder plötzlich Weinhänge und Olivenhaine. Manchmal hat man nicht das Gefühl in der Toskana zu sein, es sieht eher nach Ticino aus. Die Wälder sind wild und oft fast urwaldartig, dann wieder angebaut, dann noch ohne Blätter und knorrig, ja fast unheimlich, voller gelber Flechten. Da ich grade im "Game of Thrones" Fieber bin, sehe ich fast mittelalterliche Gestalten durch diese knorrig, gelben Bäume irren. Ja wieder, meine Fantasie...

Gut hab ich einen Apfel mit, den ich mit Michael teile. Wir kommen in Montespertoli an. Die Stadt gibt nicht viel her, es ist jedoch auch Mittagszeit und alles hat zu. Wir entdecken ein Restaurant, das jedoch auch wieder ausgebucht ist. Alle Italiener scheinen am Ostermontag mit ihren Familien auswärts essen zu gehen. Weiter geht es nach Castelfiorentina, hübsch und überall hat es Enotecas, die mit Touristen überfüllt sind, wir entdecken ein Restaurant, alles ist herrlich gedeckt mit frischem Gemüse-crudité....privater Anlass, grrrrrrr. Es ist zum Verrückt werden und meine Laune sinkt.

Wir fahren nach Certaldo Alto, die Backsteinstadt. Herrlich gelegen, nur per Cabelcar oder über ein winziges Strässchen erreichbar, das aber schwer zu entdecken ist, wenn man nicht weiss wo suchen. Hier waren wir jedoch schon einmal. Sogar den einen Hund auf der Terrasse an der Strasse, ist noch da, den ich das letzte mal entdeckt habe und er hechelt herunter. Ich weiss hier gibt es ein Restaurant, dass herrlich kocht und eine Entoteca, in der es deine Bruscchette gibt. Doch nun ist es bereits 16.00 Uhr, die Enoteca, das Restaurant und die Osteria voll.

Wir verzichten, dank Apfel geht das auch. Wir besuchen einen alten Vikarpalazzo und mein rechtes Knie schmerzt von den vielen Bergbesteigungen, den Treppen und den holprigen Strassen. Dieses Städtchen hat jedoch was ganz eigenes. Während wir es verlassen, kommen uns bereits viele Touristen und Einheimische entgegen, den Certaldo Alto ist bekannt für gutes Essen.

Wir fahren jedoch zurück in unser Hotel. Dazu müssen wir wieder an San Gimignano vorbei... Verkehrsstau! Es dauert ewig! Doch endlich ist es geschafft und gleich geht es in die Bar. 2 Gläser Rotwein und etwas Nüsse helfen uns erstmal noch bis zum Abendessen auszuharren.

Das Wifi ist langsam hier und strapaziert meine Geduld, aber dafür hab ich Zeit die andern Gäste zu studieren. Es hat viele Italienische Päärchen und ganze Familienclans, die hier wohl ihre Ostern feiern. Ich kann es verstehen, das Hotel ist sauber, gemütlich, das Personal sehr freundlich, herzlich und zuvorkommend und das Essen hervorragend.

Das Hotel hatten wir über Booking.com entdeckt und haben so auch ein ganz schönes Schnäppchen gemacht. Die Preise, welche im Zimmer angeschrieben sind, sind doch eher im höheren Segment angesiedelt. Mir hätte jedoch auch das Agriturismo im Nachbardorf San Donato gefallen - das war jedoch ausgebucht. In der Hotelhalle zu sitzen ist jedoch ganz spannend und es gibt viel zu entdecken. Die organisieren hier eingiges für ihre Gäste. Es gibt einen Shuttelbus nach San Gimignano, Weintasting touren, organisierte Wandertouren, man kann auch auf einen benachbarten Hof um dort auszureiten oder reitstunden zu nehmen und und und. In der Halle verkaufen sie auch Raumdüfte und es dufted auch dezent...Gottseidank, nichts ist schlimmer als ein penetranter zu gut gemeinter Duft; sei dies Parfum oder Raumduft...

Dan endlich können wir Essen gehen. Wir haben wieder einen anderen Tisch bekommen. Neben uns hat sich eine alte Italienische Dame niedergelassen, die nur ein Brodo (eine klare Suppe haben will). Anscheinend will sie früh zu Bett und ihre Familie will erst später essen. Sie ist jedoch recht zufrieden, obwohl ich es schon etwas traurig finde, dass sie da ganz alleine sitzen muss.

Wir bekommen eine herrliche Bruschetti Auswahl als Antipasto - verzichten auf Pasta und ich geniesse ein absolut köstliches Cognilio alla Vernaccia in crema di Latte (ein Kaninchen in Vernaccia-Weisswein und Rahmsauce), dazu nochmals die feinen kleinen weissen Bohnen. Als Dessert teilen wir uns nochmals Biscotti mit Vin Santo.

Morgen heisst es Umzug und eigentlich sollte ich noch etwas packen - aber ih bin zu vollgefressen und mag nicht mehr. Wir plumpsen nur noch ins Bett und schlafen gleich ein.


Montag, 6. April 2015

Fahrt in Süden

Um 2.30 werde ich wach, das Bett neben mir ist leer. Michael ist schon auf... Das Reisefieber hat ihn wiedermal gepackt. Als er dann reinkommt und seine Nachttischlampe anmacht, weiss ich, an weiterem Schlaf im Bett ist nicht mehr zu denken. Also steh ich auf und mache mich zurecht, packe noch den Rest und trinke sogar noch einen Kaffee.

Bald darau ist das Auto gepackt und los geht's. Es regnet. Die Strassen sind jedoch frei, wenn auch nicht leer. Ich verschlafe fast die ganze Schweizer Seite und die San Bernadino Pass Route und erst als wir Richtung Chiasso fahren werde ich etwas munterer.

Der Tag fängt an zu dämmern,aber auch in Italien ist das Wetter trübe. Nach Mailand nicke ich wieder ein. Bei Bologna wach ich endgültig auf, es geht in die Hügel Richtung Toskana, die Lieblings Rennstrecke meiner Mutter, Madam Schuhmacher.

An rasen ist jedoch nicht zu denken. Kurz nach Florenz fahren wir von der Autobahn ab in die Toskanischen Hügel, an San Gimignano vorbei, einen Hügel hinunter und wieder hinauf.

Als ich schon denke, bald nicht mehr sitzen zu können, sind wir da. Nach San Donato, einem Kleinen Dorf, erreichen wir unser Hotel Casolare Le Terre Rosse. Wir werden sehr nett in gebrochenem Deutsch empfangen und im Gebäudekomplex herumgeführt. Das Hotel hat mehrere Gebäude, welche jedoch durch einen Innenhof und Verbindungsgänge miteineander verbunden sind. Im Innenhof wird im Sommer gespeist, hinter dem Hauptgebäude und der Bar befindet sich der Park mit Swimmingpool und Ping Pong Tischen, Liegestühlen welche bei dem trübnassen Wetter jedoch gar nicht locken. Im Park sind überall grosse grüne Glasflaschen aufgestellt, in denen vielleicht früher einmal Wasser oder Wein gelagert wurden - sieht sehr dekorativ aus. Überhaupt ist alles sehr gepflegt und nett dekoriert. Schnell war das Auto ausgepackt und sogleich ging Michael schlafen....ich auch, denn so ein Autoschlaf ist einfach nicht wirklich erholsam.

Als wir aufwachen, schüttet es. wir organisieren unser Wifi und machen uns fertig für das erste Abendessen. Das Restaurant befindet sich im Keller und hat eine Gewölbeartige Decke. Es ist frisch und Michael holt sich einen Pullover. Da wir kein Mittagessen Genossen hatten schlagen wir zu.

1. Gang: beide ergötzen wir uns an gegrilltem Gemüse mit Frischkäse...warm und alles angeblich aus der Gegend... Wo die um diese Zeit allerdings Pepperoni, Zucchetti und Aubergine finden wollen ist mir schleierhaft. Dennoch es war himmlisch.

Dann haben wir uns einen Teller Tagliolini mit roter Zichorie und gelber Zucchetti geteilt... Auch sehr gut. Danach gab es ein wirklich erstaunlich zartes Filetto Di Manzo vom Grill mit saugten, weissen Bohnen und nicht so berauschenden Kartoffeln mit Rosemarin. Ein Vino Nobile Di Montepulciano -La Braccesca- rundete alles ab.

Am Nebentisch sitzt ein deutscher Professor, oder so sieht er zumindest aus. Gross, schlaksig, etwas zerzaustes Haar, Typ der nicht wirklich erwachsen werden will und dennoch etwas Autorität ausstrahlt.

Er wird begleitet von einer deutlich jüngeren italienischen Dame, die viel erwachsener erscheinen will, als sie ist. Nehme an sie ist seine Assistentin oder Studentin. Sie ist klein, trägt jedoch hohe Stilettos, ihr langes Haar wallend offen und schmachtet ihn an. Wirklich, was die an dem Lulatsch findet, weiss ich nicht.

Michael witzelt, dass wohl zu Hause die Ehefrau mit Kindern wartet und der Herr Professore vorgibt in Italien einen Kongress besuchen zu müssen.

Vollgefressen und müde gingen wir um 22.00 Uhr ins Bett.

Freitag, 3. April 2015

Vorreisetag Karfeitag

Karfeitag-nach einer stressigen, stürmischen, verhagelt- und verregneten Woche scheint endlich wiedermal die Sonne. unser Frühstück (Waffeln und Smoothie) haben wir im Wintergarten genossen.

Die Trekkingschuhe sind gewaschen, Die Wäsche trocknet an der frischen Luft, das Auto ist getank und ausgeräumt, die Luft und das Öl kontrolliert, der Toskana-Baedecker und einige Toskana-Krimis im Kindle heruntergeladen und die Packliste erstellt. Warum nur hab ich dann so viel Mühe mich zum eigentlichen Packen aufzuraffen? Ich hasse packen, sicher nehm ich wieder viel zu viel mit.

Chilli, die Katze, hasst es auch. Chilli merkt schon seit Tagen, das was im Busch ist und ist sehr verschmusst und anhänglich. Ich werde sie ja auch vermissen, meine Süsse. Aber ich freu mich, freu mich darauf keinen Computer anzufassen, auf die frische Luft, neue Eindrücke, gutes Essen, Wein, Schlaf, mit Michael zusammen zu sein, etwas Sonne auf meiner Haut zu spüren...

Ok, noch einen Kaffee - dann aber los!